der nacht davon


Vielleicht liegt es am Wein, dass ich dich ansehe, wie ich dich ansehe. Auf er Innenseite des hinteren Buchdeckels. Sehe den Ohrring, einen kleinen Stein, links. Betrachte deinen Mund. Erinnere mich. Überrumpelt von dem Kuss, der mein Kuss war. Glaube ich. Der sich gut anfühlte. Zärtlich. Wie ein Teenagerkuss. Sacht. Keine Gier. Und ich dachte dabei an die Stelle in dem Buch. Als der Ich-Erzähler sein Becken zur Seite dreht, damit sie nicht merkt, was er denkt. Du hast dein Becken nicht zur Seite gedreht.

Es ist dunkel bei dir, und ich fliege ins Licht. Es gibt Zeitmaschinen. Gibt sie wirklich. Heißen nur nicht so mystisch. Flugzeuge. Im Bauch. Wenn ein Spiel weiter geht. Einundzwanzig Uhr am zwanzigsten März. Die Sonne scheint. Bin geblendet von den Wolken unter mir. Und weiß nicht, wie spät es gerade ist. In der Zeitzone, die wir überfliegen. Ich fläze auf meinem Business Klasse Sitz, wie auf einem Chaiselongue.

Das Buch ist aus. Wie ein Film. Muss ihn zurück spulen. Lesen fällt mir nicht leicht zur Zeit. Drifte immer wieder ab. Zu den Bildern in meinem Kopf. Da ist Amerika vor mir. Vor der Nasenspitze der Boing 747. Und hinter meiner Nasenspitze nörgelt Wehmut. Weg. So weit weg vom schönen Berlin. Vielleicht bin ich jemand, der keine echten Reisen braucht, dem es genügt, im Kopf. Alles immer nur im Kopf. Dieser Lichtkranz am Horizont. Abschwächendes Azurblau küsst einen zartrosa Schweif. Darunter Wolken. Wattetupfen gleich. Einundzwanzig Uhr. Und weiter darunter? Ganz sicher der Ozean. Alles ist so leicht hier oben. Das ist es schon, wenn man nur auf einem Gipfel in den Alpen steht. Über den Wolken. Und niemals könnte ich es besser verpacken, als es Reinhard Mey schon getan hat.

Ich habe Klaviermusik im Ohr. Du bist wie ein feiner Nachgeschmack. Vielleicht liegt es am Wein. An den Klängen in meinem Ohr. An den Wolken unter mir. An dem Heimweh nach Berlin. Den vielen, die gesagt haben, komm bald wieder. An dem letzten Satz in deiner ersten Mail nach dem ersten flüchtigen Kuss, den du dir genommen hast. In the Hall of the Mountain King. Vielleicht liegt es am Wein. Da ist Azurblau. Da sind meine Gedanken. Sind zum Anfassen echt. Einundzwanzig Uhr fünfundvierzig. Keine Nacht in Sicht. Soll ich schreiben, bis es dunkel wird?

Der neben mir geht zum fünften Mal aufs Klo. Überhaupt gehen fast nur die Kerle. Ich würde es mir gern verkneifen, weil sie meistens Furchtbares hinterlassen. Fleichfresser. Aber so eine Mädchenblase muss ja auch mal für Kleine. Und dabei die Luft anhalten. Stehste da. Zielst. Bloß nicht atmen! Dreht sich schon alles. Bloß nicht! Zielen. Beim Festhalten am Türgriff überprüfen, ob man dann als nächstes die Tür nach innen aufzieht, während man zielt. Oder ob man doch verriegelt hat. Ausatmen durch spitze Lippen. Ganz langsam, damit noch etwas in der Lunge verbleibt.

Ich habe mich müde geschrieben. Zweiundzwanzig Uhr. Ich habe eine rosafarbene Schlafbrille geschenkt bekommen. Gehört zur Business Klasse. Und Söckchen. Zahnbürste. Kugelschreiber. Ohrenstöpsel. Alles rosa. Weil ich ein Mädchen bin. Die Jungs erhielten das Set in dunkelblau. Ich werde die Lehne nach hinten fahren lassen. Auf Knopfdruck. die Fußstütze nach oben. Meinen Kopf auf das Kissen betten. Schlafen. Und an Küsse denken. Die einen überrumpeln. Und das Schöne ist. Keiner weiß, ob es dich gibt. Oder ob es nur der Wein war. Und ein Bild auf der hinteren Innenseite eines Buchdeckels …

Neugierig auf meinen Blog zum Trip durch die USA? —> Follow me 😉

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