herzmüllentsorgung


Dieses Zusammenbrauen unterm Brustbein. Schreien in mir. Will gehört werden. Traurigkeit. Will geweint werden. Ich vermisse dich immer noch so sehr. Wohl wissend, dass unsere Liebe immer ist. Bedingungslos. Die Vernunft will meinen Kopf gerade rücken. Der normale Lauf der Dinge, sagt sie. Biologisch abbaubar. Blut wird uns immer einen. Geheime Zaubersprüche klopfen parallel in unseren Herzen. Du kennst sie. Ich kenne sie. Werden immer wissen, was der andere sagen will, wenn er sie spricht. Weil er nichts anderes sagen kann. Wegen dem Zusammenbrauen unterm Brustbein.

Wenn ich ins Auto steige, lasse ich zurück. Ich lasse kommen. Und gehen. Unterwegs in mir sind alle Flüsse aus Gedanken und Fühlen. Sie branden dem Ziel entgegen, das ich ansteuere. Angst plätschert mit ihnen. Doch der Professor sagte, dass alles gut sei. Ich wickle die kleine Angst in Seidenpapier mit Herzmuster. Binde pinkfarbene Schleifen und verstecke sie in einer Ecke. Irgendwo in mir. Bis zum nächsten Mal. Dann suche ich mein Lieblingscafé auf. Mit dem sündhaft teuren Kuchenstückchen und Pralinen. Nein, ich brauche keine Tüte, mein Wagen steht ja vor der Tür.

Als ich über die Einfahrt knirsche. Als käme ich nach Hause. Ich trage den Kuchen vor mir her. Und jeder Schritt in euer Heim, das nun auch mein Heim ist, lässt mich aufrechter gehen. Plötzlich spüre ich, dass alles möglich ist. Dass, wenn ich jetzt bei euch sein kann, ich überall sein kann. Dass Leben immer noch Bewegung ist, auch wenn ich mich in meinem gefangen fühle. Weil ich die Freiheit nicht heraus schreie. Die Magie von Freundschaft wird mir in diesen Tagen bewusst. Bewusster, als zuvor. Nicht zu vergessen die Kraft eines Ortes, mit dem ich soviel Positives verbinde. Der mich erinnert, auf welchem Weg ich mich befand. Damals. Als ich die Autobahn verließ und auf Abwegen fuhr. Mich suchend.

Weit war ich gekommen. Doch irgendwann stagniert. Im Leben der Anderen. In meiner Liebe zu Anderen. Wolldeckenmutterliebe. Ein gut markierter Platz. Gebrauchtwerden. Ein Gefühl von Marzipanschweinchen auf der Zunge. Ich liebe Marzipan so sehr. Und dann. Dieser Tag mit dem Herzherausreißen. Blutsuppe voller Teerklumpen kleckert durch meine Adern. Seit dem. Ich lerne Lachen wieder neu. Zwinge mich zum Lebensollen. Schaufle Gräber in mir. Oder sind es Gruben? Auf der Suche nach dem Sinn.
Machmal fliegen Sternschnuppen durch meinen Bauch. Ich greife nach ihnen und wir fliegen ein Stück zusammen. Winden uns in Träume. Fangen Ideen zwischen wachsenden Synapsen. Und wenn wir gelandet sind, fülle ich ein paar Löcher wieder auf.

Dieses Zusammenbrauen unterm Brustbein. Dem ich mich an manchen Tagen ergeben möchte. An denen ich mich nicht erkenne. Morgens. Wenn ich fremde Augenringe kühle und erschrecke vor toten Blicken. Das bin ich nicht. So war ich nie. Oder hatte ich nur keine Zeit, mich so zu sehen? Wir haben alles nur geliehen. Wir geben alles wieder ab. Was wir erringen. Unser Lachen. Unsere Jugend. Unsere Kinder. Das wirklich Wertvolle. Ist das Teilen und Teilhaben. Unser Interesse für Nebenan. Das Sehen von Geschöpfen. Heilende Hände nicht in Taschen stecken. Aufgeknöpftes Hemd für Herzschlagsensoren. Lächeln, auch wenn es weh tut. Weil irgendwo immer jemand ist, der noch viel trauriger ist. Dessen Schmerz seinen Brustkorb zu zersprengen droht.

Ich kann es drehen wie ich will. Ich lande in meiner Vorstellung wieder in dem Dasein für andere. Wenn es sich wirklich gut anfühlen soll. Aber ich habe auch begriffen, dass ich bei mir anfangen DARF. Bewusst wähle ich das Verb an einer Stelle, an der ich ‚muss‘ schreiben will. ‚Dürfen‘ erleichtert mein Handeln. Auch wenn es im Ergebnis dasselbe ist. Es gibt mir eine dankbarere Blickrichtung. Es suggeriert mir Freiheit. Eine Freiheit in mir, die ich an jedem Tag neu ausrichten kann. Ich habe immer eine Wahl. Ich habe die Wahl, mich dem Außen zu beugen und krumm im Einerlei zu verharren. Zu jammern. Zu leiden. Zu hadern. Und ich habe die Wahl, in mir aufzuräumen. … und dann wird er hocken. Hinter Rosenbüschen. Und sich ins Fäustchen lachen. Mein Sinn für das Leben. Höchste Zeit für Herzmüllentsorgung!

© Jo Lenz (2013)

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